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Die schwedische Ostseeperle Ulvön

Es ist ein früher Maivormittag. Die Sonne scheint vom leuchtendblauen Himmel und man hat das Gefühl, es wäre ein Sommertag. Doch die Bootsstege entlang der Bootshäuser sind im Prinzip leer. Dort liegen die Boote während der Sommerzeit Rumpf an Rumpf und die Hafenstraße oberhalb ist gefüllt von Menschen.

Sven-Erik Hildeberer, der hier das 1902 gebaute Schergartenhotel betreibt, führt uns über die schwedische Ostseeperle Ulvön an der Höga Kusten. Seine Eltern leben als Bauern auf der Insel.  Er hat viele Sommer auf der Insel gewohnt und als offizieller Insel-Guide gearbeitet.  Aber nun hat er durch das Hotel nicht mehr die Zeit dazu.

Die Insel sollte man mit dem Fahrrad oder zu Fuß erforschen, aber wir machen es diesmal mit dem Auto. Wir rollen ganz sachte auf der leeren Hafenstraße entlang. Ein perfekter Promenadensteg, stellt Sven-Erik fest, als er den Wagen anhält und wir an einem Windschutz mit Grillplatz aussteigen. Die roten Klippen aus Rapakivigranit gaben diesem Platz seinen Namen - Rödharn. Die Vorsilbe „Röd“ ist klar und ”harn“ ist ein altes Wort für „Grund“. Wir steigen wieder in den Wagen und steuern zurück zum Hafen. Es geht auf einen Hügel, den die Einwohner von Ulvön „Mala“ nennen. Auf dem Gipfel steht eine alte renovierte Hütte, die bis in die 60er Jahre als Lotsenaussicht diente und in der Sommerzeit bemannt war. Hier kann man Limonade, Süßigkeiten und Eis kaufen. Wenn man Zeit hat, kann man natürlich zu Fuß den Lotsensteg bis zum Gipfel laufen. Die Aussicht hier oben ist ungeheuerlich, fantastisch. Nur wer einmal hier war, kann das verstehen. Wir fahren wieder hinunter und machen uns auf den Weg über die Insel.

Vorbei an Bysjön, durch Sörbyn, wo eine Familie mit einem Schulkind wohnt, was jeden Tag mit einem Boot nach Köpmanholmen fährt. Hier am Kai ist auch die einzige Stelle, wo ein Helikopter landen kann, um beispielsweise einen schnellen Krankentransport durchzuführen, erzählt Sven-Erik. Wir fahren weiter auf der Insel, vorbei an dem alten Dorf Norrbyn, Richtung Sandviken. Sven-Erik fährt noch einen Abstecher über einen sehr schlechten Waldweg zu einem schönen Sandstrand. Die schlechte Wegstrecke hat sich gelohnt. Hier gibt es einen großen Sandstrand und man meint, man wäre am Mittelmeer. Die Gemeinde hat hier einen Toilette, einen Grillplatz und Bänke aufgestellt. Ein Paradies für Körper und Seele. Aber weil die Stelle so schwer zugänglich ist, wird sie nur von wenigen genutzt.

Wieder zurück auf die Straße und wir sind schon bald in Sandviken. In dem alten Fischerdorf mit Ahnen aus dem 16. Jahrhundert stehen Hütten und Bootshäuser, die im Prinzip aussehen, wie sie damals gebaut wurden. Heute ist es ein populäres Feriendorf, das vom Besucherzent rum in Nätradalen betrieben wird. Viele Urlauber kommen Jahr für Jahr hierher. Der Hausverwalter zeigt uns eine Hütte von innen und sagt, dass im Juli immer alle dieser gemütlichen Stugas belegt sind.

Wir fahren auf der Schotterstraße zurück zum Hafen. Früher war sie mal asphaltiert, aber der harte Bodenfrost hat dem Asphalt stark zugesetzt. Am Fuße einer Anhöhe steht Elisabeth Nordqvist mit einem Schlüssel bereit, uns die alte Kapelle von 1622 zu zeigen. Sie wurde von Fischern aus Gävle gebaut, die die Insel als erstes bevölkerten. Die Kapelle ist mit fantastischen Decken- und Wandgemälden geschmückt, die von  Roland Johansson-Öberg aus dem Jahr 1718 stammen.

Die Kapelle ist nicht sehr groß, aber für Brautpaare sehr populär. Man hat jeden Sommer drei bis vier Trauungen hier, erzählt Elisabeth während Sven-Erik die Fensteröffnungen schließt – Die Malereien sind lichtempfindlich und das Fotografieren mit Blitz ist verboten.

Wir fahren das letzte Stück zum Ulvöhamn zurück und trinken einen Kaffee, um danach noch einen einstündigen Spaziergang bis nach Kvarnstensviken hinaus zu machen. Wir haben in diesem einen Tag wirklich viel gesehen, doch sollte man sich mehr Zeit lassen und eine Weile hier bleiben.

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