» Home

» Schwedisch

» Schweden

» Norwegen

» Verweise

» Impressum

Vogelinsel Røst

Die Inselgruppe Røst besteht aus mehren kleinen Inseln und ist vom Tourismus noch wenig berührt. Dem Besucher der Røstinseln erschließen sich zwei völlig gegensätzliche Lebensräume nordischer Vögel. In der flachen Tundralandschaft der Hauptinsel stößt er auf Arten, die ihm bereits in Lappland begegnet sind, etwa den hell und einprägsam rufenden Regenbrachvogel oder das federleicht auf moorigen Tümpeln wippende Odinshühnchen und vielleicht sogar den heimlichen Sterntaucher, der hier auf einem der kleinen Binnenseen brütet. Der schlicht braun gefärbte Alpenstrandläufer begegnete uns in schier unglaublicher Vertrautheit. Viele Vogelarten leben ringsum in der baum- und strauchlosen Grassteppe. Da fliegt uns laut warnend der Steinwälzer entgegen, und der nur halb so große Zwergstrandläufer schimpft ebenso leidenschaftlich, sobald wir die Grenze seines Reviers überschreiten. Die an ihren Lebensraum wunderbar angepasste Spornammer brütet tief verborgen im Moos, während das bunte Männchen auf einem winzigen Erdhügel sein typisches Ammernlied schmettert. Am heftigsten aber reagieren die gefiederten Inselbewohner, wenn einer der diebischen Kolkraben oder gar der mächtigen Seeadler von Stavoen herüber streicht. Dann steigen sie alle auf, die Enten, Säger, Möwen, Strand- und Wasserläufer und „hassen” die viel größeren Feinde. Stärker bedroht sind die kleinen Arten freilich durch die mitten unter ihnen brütende Schmarotzerraubmöwe. Dieser Wegelagerer stürzt sich von seinem Ausflug auf jede Dreizehenmöwe, die mit Beute vom Meer herüberkommt. Sogar Odinshühnchen verfolgt sie fliegend. Gefährlich erst wird für den zarten Vogel eine Verfolgung durch beide Partner. Auf Røst beobachteten wir zum ersten Mal noch zwei weitere Verwandte, die Spatel- und Falkenraubmöwe.

Von den Greifvögeln kommt außer dem Seeadler nur noch der Wanderfalke regelmäßig vor. Er gilt als der schnellste Jäger im freien Luftraum und schlägt Dreizehenmöwen im Fluge ebenso gewandt wie die viel schwerfälligeren Alken. Der nächste Wanderfalkenbrutplatz befand sich damals auf Storfjeldet.

Vom Fischerhafen fuhren wir im Motorboot umher und sahen die romantischen Winkel der zwischen Meeresbuchten und Lagunen verstreuten Siedlung. Auch hier bricht die neue Zeit unaufhaltsam ein: Holzhäuser sieht man von Jahr zu Jahr seltener; wenn eines abbrennt, treten Stein und Beton an seine Stelle. Die letzten Moos gedeckten Fischerhütten pflegt man nur noch für künftige Touristen.

Auf den Fensterbänken eines Schuppens hatte eine ganze Kolonie von Dreizehenmöwen ihre Nester gebaut. Bis vor zwanzig Jahren waren sie noch ausschließlich Felsbrüter. Zu den älteren Siedlungsvögeln von Røst zählen ferner die Eiderenten, deren Nestdunen bis heute eifrig gesammelt und die wertvollen Dunen, die für Kissen- und Schlafsackfüllungen verwendet werden, teuer gehandelt.

Zum Höhepunkt unseres Urlaubes wurde zweifellos die Überfahrt nach Vedoy, vor allem aber der zweiwöchige Aufenthalt auf der menschenleeren, steil aus dem Nordmeer aufragenden Felsinsel. Es ist ein großartiges Erlebnis, mitten zwischen schreienden, keckernden, heulenden, krächzenden Vögeln sein Zelt aufzuschlagen — und das zu einer Jahreszeit, in der über Røst die Sonne nicht untergeht (28.05 - 16.07). Aber schon mit der schwierigen Auswahl des Zeltplatzes im weit und breit abschüssigen Gelände begannen unsere Probleme. Zum kostbarsten Besitz in diesen Tagen wurde das Trinkwasser, für dessen Schutz wir eine sturmsichere Felsnische ausfindig machten. Was uns die Robinsonade an aufregenden Abenteuern brachte, bleibt für immer im Gedächtnis haften. Ob es in der Steilwand die waghalsigen Klettertouren waren, die uns zu den Nestern der Dreizehenmöwe, den schmalen Brutsimsen der Trottellumme, deren Junges seine Eltern schon an der Stimme kennen lernt, solange es noch im Ei ist, oder zu den Felshöhlen der seltsamen Tordalken führte oder ob uns das unendlich mühsame Anschleichen an die glitschigen Rastplätze der sich trocknenden Krähenscharben unten knapp über der Brandung die Knie zittern ließ — der vergossene Angstschweiß wurde wettgemacht durch unvergleichliche Einblicke in eine Welt voller Rätsel: etwa das Brutgeschäft des Papageitauchers, dessen Farbenpracht einem exotischen Vogel Ehre machen würde. Ein Kobold des Nordmeeres, in selbst gegrabenen Höhlen brütend, zu Lande unbeholfen wie Pinguine, ist er unter Wasser Meister im Fischfang. Bis zu zehn Sandaale trägt er im Schnabel heim!

 

Sitemap