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Die norwegische Monarchie

Die ersten norwegischen Könige waren Wikinger und trugen klangvolle Namen wie Harald Schönhaar (872-930), Erik Blutaxt (930-35) oder Harald Graufell (960-97). Norwegen ist ein Land, das voller Stolz auf seine Geschichte zurückblickt. Ein Land rau und kalt, wild und schön, einsam und weit. Einst sorgten die stolzen Wikinger für Ruhm und Furcht, später kamen Dänen und Schweden als Besatzer. Jahrhunderte der Abhängigkeit stärkten die Sehnsucht der Norweger nach Freiheit.

Erst mit der Unabhängigkeit 1905 bekam Norwegen nach über 500 Jahren Fremdherrschaft wieder einen eigenen König. Norwegen hatte sich von Schweden gelöst, die Unabhängigkeit erklärt und einen Monarchen gewählt. Ein dänischer Prinz wurde auf den Thron gebeten. Er nennt sich Haakon XII. Das Parlament entschloss sich für eine Volksabstimmung. Mit großer Mehrheit stimmten die Norweger für die Monarchie. Ein ungewöhnlicher Vorgang – das Volk wählte sich seinen König.

1940 überfiel die deutsche Wehrmacht Norwegen, wegen der Rohstoffe und der strategischen Lage am Nordatlantik. Es begann eine düstere Besatzungszeit. Das war das vorläufige Ende der Demokratie und der gewählten Monarchie. Die Königsfamilie konnte drei Tage vor der Kapitulation Norwegens mit dem Kreuzer "Devonshire" nach England fliehen und der König organisierte von dort den Widerstand gegen die Besatzer. Im Exil gewann Haakon durch seine klare Haltung bei den Norwegern an Achtung. Am 7. Juni 1945, genau 5 Jahre nach seiner Flucht, kehrte Haakon nach Oslo zurück. Die Begeisterung der Norweger war groß. Die junge Monarchie hatte ihre Bewährungsprobe bestanden.

König Olav V. trat 1957 die Nachfolge seines Vaters an und regierte 33 Jahre lang als äußerst volksnaher Monarch. Beliebt war er nicht zuletzt wegen seiner typisch norwegischen Leidenschaft fürs Skifahren und Segeln – an der Pinne eines „Drachen” gewann er sogar olympisches Gold.

Am 20. Juli 1973 kam der Urenkel des Kriegshelden zur Welt und erhielt den Namen seines großen Vorfahren – Haakon. Die Schwester Merta war 2 Jahre älter. Doch bei aller Liebe für die Gleichberechtigung, der Thron blieb vorerst Männersache.

Am 17.01.1991 starb der Großvater von Haakon. Die Norweger trauerten um Olaf V., der einfach und volksnah lebte. In Trondheim wurde schon bald der neue König, Harald V, gekrönt. König Harald V. hat wenig vom Charisma, aber einiges vom Sportsgeist seines Vaters geerbt. Er wurde 1987 Segelweltmeister in der Eintonner-Klasse. Als erster Thronfolger heiratete er eine Bürgerliche. Eine Mehrheit im Parlament war für eine gleichberechtigte Thronfolge. Sonja und Harald, die ihre Kinder auf ihre Rollen vorbereitet hatten, empfanden das als ungerecht. Man änderte das Gesetz auf eine gleichberechtigte Thronfolge, ohne dass Haakon auf den Thron verzichten musste.

Nach dem Abitur ging Haakon zum Militär. Später einmal wird er den obersten Rang der norwegischen Streitkräfte bekleiden. An seinem 18. Geburtstag empfing Haakon erstmals gemeinsam mit seinem Vater die Vertreter des Parlaments. Haakon ging nach Kalifornien an die Universität Berkeley bei San Franzisko und studierte 3 Jahre Politikwissenschaften. Das Studium beendete er mit einem Diplom.

1999 kehrt Haakon nach Oslo zurück. Die Norweger sind zufrieden mit dem Kronprinzen, der seine Ausbildung mustergültig absolviert. Nun warteten alle auf die passende Braut. Haakon nimmt sich eine kleine Wohnung in der Stadt und beginnt ein Jurastudium.

Bald begegnet er Mette Marit und es dauert nicht lange und die allein erziehende Mutter zieht bei ihm ein. Mette Marit hatte ein völlig anderes Vorleben als Haakon. Sie war orientierungslos, hat wechselnde Freunde, feierte ausgiebig – manchmal tagelang. Es ist eine ausschweifende Zeit, die sie später lieber aus ihrem Leben streichen würde. In diesem Mileau kursierten Extosie, Kokain, Mariohana und Haschisch. Mette Marit war ein aktiver Teil dieser Szene. Sie kellnerte in diversen Cafes und Restaurants, hatte keine Pläne für die Zukunft und lebte in den Tag hinein.

Als die Presse Wind von der Affäre bekam, deckten die Reporter auf, was für ein Vorleben die Geliebte des Thronfolgers hatte. Fortan wurden die beiden von Fotografen und Kameras verfolgt. Mette Marit war mit ihren Nerven am Ende.

König Harald war besorgt um seinen Sohn, aber auch um die Monarchie, die die schwerste Krise seit dem Krieg erlebte. Ein Skandal für alle Konservativen. Der Thronfolger lebt in wilder Ehe und noch dazu mit einem unehelichen Kind. Die Umfragewerte für die Monarchie erreichten einen historischen Tiefpunkt.

Am 1. Dezember 2000 gab das Paar überraschend ihre Verlobung bekannt. Die Mehrheit der Norweger zweifelte zu diesem Zeitpunkt an der Zukunft der Monarchie. Zwar gönnte man den beiden ihr privates Glück und war überzeugt von der Ernsthaftigkeit ihrer Liebe, doch viele fragten sich, ob sie die richtigen Repräsentanten für ihr Land seien.

Am 25. August 2001 heiratete Haakon, Kronprinz von Norwegen, seine Mette Marit und rührte die Herzen von Millionen. Viele Leute waren skeptisch wegen der Hochzeit, aber als sie dann das Paar vor dem Altar sahen, war da plötzlich eine unglaubliche Magie, die das Publikum ansteckte.

Haakon übernahm immer mehr repräsentative Aufgaben, was er hervorragend meisterte. Haakon präsentierte sich als ein intelligenter, ernst zu nehmender, politischer Monarch, der klare Ansichten hat und diese auch umsetzen will.

Als im Januar 2004 ein Kind zur Welt kam, waren die Norweger endgültig versöhnt und begeistert. Ingrid Alexandra wurde das Mädchen getauft und sie wird voraussichtlich einmal den Thron als Königin besteigen. Der Fortbestand der Monarchie ist gesichert. Knapp zwei Jahre später folgt Sverre Magnus. Das Glück der jungen Familie war perfekt.

Die Norweger sind beeindruckt, vor allem vom Wandel der Kronprinzessin. Nach all den Wirrungen der ersten Jahre haben sich Haakon und Mette Marit Respekt erarbeitet. Die große Mehrheit der Norweger steht heute wieder hinter ihrem Königshaus, nicht zuletzt, weil Mette Marit und Haakon der Monarchie ein modernes, sympathisches Gesicht geben. 

Seit fast 100 Jahren stellen zu Beginn jeder Legislaturperiode einige Republikaner im Parlament den Antrag auf Abschaffung der Monarchie. Bisher immer ohne Erfolg. Denn die Norweger schätzen es, an der Spitze des Staates keine Politiker, sondern eine Familie zu haben, die für Kontinuität in den Wechselfällen der Demokratie sorgt. Der Fortbestand der Monarchie hängt indes davon ab, wie gut die Königsfamilie ihre repräsentative Rolle ausfüllt. Man erwartet von ihr zugleich Volksnähe und Würde - sie soll das moderne wie das traditionelle Norwegen verkörpern.

 

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