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Alkoholmonopol in Norwegen

Die Angst vor dem Alkohol sitzt den Skandinaviern immer noch in den Knochen. Der Grund ist geschichtlich: Vor etwa drei, vier Generationen richtete der hohe Alkoholgenuss ähnlich starke Verheerungen an wie im 17. und 18. Jahrhundert die Pest. (Die Isländer nennen ihren schärfsten Schnaps heute noch Schwarzer Tod.)

Die Gegenaktion erfolgte durch drei verschiedene Aktivitäten: Stopp von Staatswegen, weltliche Abstinenzlerverbände, kirchliche Abstinenzarbeit. Die freikirchlichen Wanderprediger fanden ihre stärkste Anhängerschaft bei den geplagten Ehefrauen der alkoholisierten Dörfler, und sogar weltanschaulich wurde die Abstinenzarbeit aufgegliedert: Es gibt bürgerliche, sozialdemokratische und auch kommunistische Nüchternheitsverbände.

Das Saufen ist heute keine Volksseuche mehr, aber die Anfälligkeit lauert noch immer. Norwegen hat von allen skandinavischen Ländern die rigorosesten Bestimmungen. Wenn der Gastronom einmal einen Wunsch ablehnt, weil dessen Erfüllung die bestehenden Bestimmungen verletzen würde, dann sollte man Verständnis dafür haben. Er könnte die Schanklizenz verlieren, welche ohnehin dauernd in Gefahr ist: Wegen Trunkenheit Festgenommene müssen auch angeben, wo sie gefeiert haben, und wenn dabei der Name eines Restaurants immer wieder auftaucht, dann wird der Wirt beim nächsten Verlängerungsantrag Schwierigkeiten haben. Paragraph 11 der „Regeln für den Ausschank von Spirituosen” setzt klare Grenzen: „Wenn jemand sichtlich unter Alkoholeinfluss steht, so dürfen ihm keine berauschenden Getränke serviert werden.” Und: „Betrunkene Personen dürfen in die Schankstelle nicht eingelassen werden. Auch nicht Personen, von denen bekannt ist, dass sie in berauschtem Zustand die öffentliche Ordnung zu stören pflegen. Betrunkene Personen sind hinauszuweisen. Sitzen mehrere Personen zusammen und eine davon zeigt sich betrunken, darf niemandem in dieser Gesellschaft etwas serviert werden, ehe sie nicht entfernt worden ist.”

Den Hotelier oder Wirt mal schnell um eine Flasche zu bitten, die man auf die Angel- oder Rudertour mitnehmen will, ist zwecklos. Paragraph 10: „Der Leiter einer Schankstelle und das Personal sollen darauf achten, dass die Gäste keine Flaschen, Krüge und anderen Behälter mit Spirituosen mitnehmen, wenn sie die Lokalitäten verlassen, wo der Ausschank erfolgt ist.” Der Verkauf von Alkohol — leicht oder stark — in Flaschen ist einzig Sache des Alkoholmonopols (A/S Vinmonopolet), das in kleineren Städten gewöhnlich nur ein Geschäft hat. Nur leichtes Bier bekommt man in Lebensmittelgeschäften — aber längst nicht in allen. Im Monopol ist auch die Menge beschränkt, die pro Person abgegeben wird. Die Grenze erreicht man gewöhnlich nicht, weil Alkoholika in allen skandinavischen Ländern fast unerschwinglich teuer sind, weswegen man den Monopolladen gewöhnlich nur im äußersten Durstfall aufsucht.

Und wenn eine größere Gesellschaft einmal feiern möchte, dann sollten mehrere Personen einkaufen fahren. Beschränkt sind im Mengen pro Glas. „Dem einzelnen Gast dürfen jeweils nicht mehr als 5 cl ausgeschenkt werden, wenn die Spirituosen rein genossen werden sollen. Gemischt mit Mineralwasser, können es jedes Mal 7,5 cl sein. Bei der Bestellung muss geklärt werden, ob der Gast eine einfache Portion von 2,5 cl oder eine doppelte von 5 cl wünscht.” Es genügt also nicht, wenn man auf gewohnte Art „noch'n Glas” bestellt. Das Monopol schreibt auch vor, wann man außerhalb der eigenen vier Wände trinken darf. Dazu die Vorschriften für die Touristen- und Berghotels sowie für Restaurants und Flughäfen, Paragraph 8: „Verboten ist der Ausschank von Spirituosen an Sonntagen, am 1. und 17. Mai (Tag des Grundgesetzes), an Abstimmungstagen für Reichstags- und Kommunalwahlen und an Tagen vor der Abstimmung. Weiterhin ist der Ausschank verboten am Neujahrstag, Karfreitag, Ostersonntag, Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag, am Ersten Weihnachtsfeiertag.”

Dieser gründliche Paragraph setzt ebenfalls die Schankzeiten fest: „In Schankstellen mit kommunaler Schankbewilligung und in Flughafenrestaurants zwischen 15 und 24 Uhr. In Touristen- und Berghotels zwischen 13 und 24 Uhr.” Da Sie bestimmt zu den angenehmen Gästen gehören, wird die Bedienung einige Minuten vor Schankschluss kommen und fragen, ob es noch etwas sein darf. Damit will sie nicht ihren Umsatz erhöhen, sondern Sie auf Ihre letzte Chance hinweisen. Quittieren Sie das zumindest mit einem freundlichen Dank. Norwegischer Schnaps in Superqualität ist der gelblich-ölige Loiten Linie. Durch das Glas der Flasche kann man auf der Rückseite des Etiketts lesen, mit welchem Schiff der Inhalt gerade dieser Flasche nach Australien und zurück gefahren ist. Diese Form des Heranreifens in Holzfässern stammt aus den Zeiten der Segelschiffe. Ob sie heute noch sinnvoll ist? Keine Ahnung.

 

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