» Home

» Schwedisch

» Schweden

» Norwegen

» Verweise

» Impressum

Nobelpreis

Jedes Jahr, am 10. Dezember, werden vom schwedischen König den Preisträgern des Nobelpreises das Diplom, eine goldene Medaille und ein Scheck überreicht. Die Nobelpreisträger sind längst zu einem der vornehmsten Titel geworden, ein selbstverdientes Adelsprädikat in der internationalen Geistesaristokratie. Die Würdigung hat natürlich auch ihren soliden finanziellen Hintergrund. Der 1901 erstmals vergebene Nobelscheck lautete auf 150.800 Goldkronen, er entsprach damals dem Einkommen eines Universitätsprofessors für etwa 25 Jahre. Die Preissumme des Jahres 1984 beträgt 1.650.000 Kronen.
Nicht alle Preisträger sind reiche Leute. Für Ernest Hemingway (1954) bedeutete der Scheck einen willkommenen Zuschuss, um seine Steuerschulden zu tilgen. George Bernard Shaw verdiente im Jahre seiner Auszeichnung (1925) ein Vielfaches der Preissumme, die er sofort einem Fonds zur Förderung skandinavischer Literaturübersetzungen stiftete.
Jean-Paul Sartre hatte den Preis abgelehnt, weil derlei Auszeichnungen seinem ethischen Verständnis zuwiderliefen, während Michail Scholochow (1965) achselzuckend erklärte: „Ganz gut, gerade was ich brauche, um meine Datscha zu reparieren.“ Nelly Sachs (1966) widmete den größten Teil ihres Preises der Unterstützung bedürftiger Freunde, die ihr in ihren Leidensjahren in Deutschland und Schweden geholfen hatten.
Der Prestigewert dieser Auszeichnung ist höher. Ungeachtet der Geldentwertung lebt darum Alfred Nobels freigebige Gönneridee weiter. Der Erfinder des Dynamits, der trotz seines riesigen Vermögens einsam und unglücklich starb, wollte seine Millionen jenen vererben, die ihr Bestes zum Wohle der Menschheit beigetragen haben - genialen Träumern, Dichtern und Forschern, die Brotsorgen abnehmen und zum freien Schaffen ermutigen. Für viele wurde der Nobelpreis zu einem „Sesam-öffne-dich“ zur Erfüllung kühner Forscherträume, für andere nur noch die späte Anerkennung ihrer Leistungen, als ihre Lebenskraft schon verbraucht war.
Alfred Nobel wollte aber auch jungen Idealisten zur Anerkennung verhelfen, die etwa für die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere oder für die Veranstaltung von Friedenskongressen eintreten und auch jene unterstützen, die in der Literatur das bedeutendste Werk in idealistischer Tendenz produzierten. Die Preisrichter wagen jedoch kein Risiko und setzen nur ganz selten auf weniger bekannte oder umstrittene Namen. Meist werden bejahrte, längst über den Zenit ihres Schaffens hinaus geratene, recht gut versorgte Leute für ihre anerkannten Leistungen belohnt.
Über die nachweislichen Leistungen der Naturwissenschaftler und Mediziner mag man sich eher einigen können als über die künstlerischen und ethischen Qualifikationen der Literatur- und Friedenspreisträger. Die Mehrzahl der mit den Nobellorbeeren bedachten Schriftsteller scheinen heutzutage kaum noch erinnernswert und werden längst nicht mehr gelesen. Friedenspreisträger wie Henry Kissinger (1973), Le Duc Tho (1973) oder Menachem Begin (1978) sind hart umstritten.

Alfred Nobel

Sitemap